top of page
Netz-Spielgerät-b&w_edited.jpg

Der Name Gottes in der Bibel

  • Autorenbild: Helmut Becker
    Helmut Becker
  • 5. Apr.
  • 6 Min. Lesezeit

Pfarrer Helmut Becker macht sich darüber Gedanken, weshalb wir Gott nicht wie im Alten Testament mit dem Namen "Jahwe" anrufen, da er sich doch genau mit diesem Namen Mose gegenüber vorgestellt hat. Er findet: Mit dem allgemeinen Namen „Gott“ als Gattungsbegriff geht die Persönlichkeit Gottes und die Eindeutigkeit, an wen ich glaube, verloren.



Liebe Mitchristen,


in 2. Mose 3,13ff offenbart der lebendige Gott seinen Namen. Dennoch rufen wir in nicht bei seinem Namen. In unserer deutschen (Luther-) Bibel wird sein Name nicht erwähnt. Das ist unsere Prägung. Es fühlt sich seltsam an, Gott bei seinem Namen zu nennen. Das steht im klaren Widerspruch zu 2. Mose 3,15: „Das ist mein Name auf ewig, mit dem man mich anrufen soll von Geschlecht zu Geschlecht.“


Doch beginnen wir von vorne: 2. Mose 3,13-15: Mose sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Kindern Israel komme und spreche zu ihnen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt! und sie mir sagen werden: „Wie ist sein Name?“, was soll ich ihnen sagen? Gott sprach zu Mose: Ich bin, der ich bin. Und sprach: So sollst du zu den Kindern Israel sagen: „Ich bin“, der hat mich zu euch gesandt. Und Gott sprach weiter zu Mose: So sollst du zu den Kindern Israel sagen: JAHWE, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name auf ewig, mit dem man mich anrufen soll von Geschlecht zu Geschlecht.


„Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß!“ Wir kennen dieses Märchen, bei dem es um den Namen des kleinen Männleins geht. In diesem Märchen geht es um die Bedeutung des Namens. Der Namen ist nicht Schall und Rauch. Über viele Jahrhunderte hatte der Name eine Bedeutung, weil er das Wesen einer Person wiedergab. Der Name sagte etwas über die Person aus, über ihren Charakter, ihre Gaben oder Fähigkeiten. Hatte jemand etwas Großartiges geleistet, sich besonders hervorgetan, dann konnte sich das in einem neuen Namen widerspiegeln.


Bei manchen Völkern galt der Grundsatz: Wer den Namen des anderen kannte, wusste etwas über dessen Wesen. Bei den Indianern wurde derjenige Adlerauge oder schneller Pfeil genannt, der gut sehen oder schnell rennen konnte. Als das Märchen von Rumpelstilzchen entstand, galt noch dieser Zusammenhang von Name und Wesen. Deshalb wollte das kleine Männlein seinen Namen geheim halten. Im Blick auf das Göttliche galt ebenso: Wer den Namen einer Macht, eines Gottes kannte, konnte ihn herbeirufen. Es war wichtig, den Namen einer Gottheit zu kennen.


Der Name war früher nicht so festgelegt und amtlich dokumentiert. Er konnte unbürokratisch geändert werden. Als Ägypten gegen Assyrien Krieg führte, stellte sich der König Josias aus Juda ihm entgegen und wurde getötet. Es heißt in 2. Kön 23,34 „Und der Pharao Necho machte Eljakim, den Sohn Josias, zum König anstatt seines Vaters Josia und wandelte seinen Namen um in Jojakim.“ Wer einem anderen einen neuen Namen geben kann, der hat Macht über ihn. Es war eine Machtdemonstration. Bei Taufen in Tansania, wo ich geboren wurde, bekamen die Christen häufig neuer Namen als Zeichen der neuen Kreatur (2. Kor 5,17).


Ein weiterer Aspekt ist wichtig: Der Name steht für die Person. Das wird in Formulierungen deutlich wie: „Ich will dem Namen des Herrn ein Haus bauen“ oder „Ich will meinen Namen zu Jerusalem wohnen lassen“ oder „Sein Name werde gerühmt in Israel!“ Wir kennen diesen Aspekt noch aus der Formulierung: „Er hat sich einen Namen gemacht.“ Der Name steht für die Person. Name und Person werden identisch. Mit dem Namen tritt die Person aus der Anonymität heraus und wird zum DU. „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein“ spricht der Herr in Jes 43,1. Mit dem Namen trete ich in eine Beziehung. Mit dem Namen wird mir die Person persönlicher.


Ich fasse die Aspekte zusammen: Es geht um die Zusammenhänge von Name und Wesen, Name und Macht, Name und Person, Name und Beziehung. Diese Aspekte sind wichtig bei der Offenbarung des Namens Gottes. In der Berufungsgeschichte des Moses am brennenden Dornenbusch offenbart Gott seinen Namen und damit sein Wesen. Mose fragt Gott: „Was soll ich sagen, wenn man mich fragt, wer hat dich zu uns gesandt? Wie ist sein Name?“ Gott nennt den Namen: „Ich bin, der ich bin“ oder Ich werde sein, der ich sein werde“ (grammatisch möglich). Üblicherweise wurde der Name durch den Namen des Vaters ergänzt: „Ich bin Mosche, der Sohn Amrams.“ Als Sohn des Vaters wurde man durch die Abstammung definiert, aber Gott lässt sich nicht durch eine andere Person definieren. Sein Wesen, seine Eigenschaften, seine Person, seine Macht, seine Persönlichkeit sind einzigartig. Es gibt niemanden über Gott. Keiner ist wie er. Niemand ist höher. Keiner ist ihm gleich.


Wie kann Gott aber in einem Namen sein Wesen und seine Person offenbaren? Der Name Gottes kann nicht durch seine Schöpfung (wie "Adlerauge") definiert werden. Gott kann auch nicht auf eine Tat reduziert werden. Es ist unmöglich, mit einem Namen sein Wesen treffend wiederzugeben. Gott kann nicht durch etwas anderes definiert oder benannt werden. Er ist nicht Teil der Schöpfung, sondern der Schöpfer. Gott kann sich nur durch sich selbst definieren. Das ist der Kerngedanke seines Namens: Gott definiert sich nur durch sich selbst: „Ich bin, der ich bin!“. Gott ist Gott! Er ist der Höchste. Gott ist heilig. Niemand hat Macht über ihn. Niemand kann ihm einen neuen Namen geben. Niemand kann ihn beherrschen oder erforschen. Gott ist und bleibt unbegreiflich.


Und dennoch gibt Gott dem Mose einen Namen. Damit verändert sich etwas, was ich vorhin erwähnt habe: Gott wird mit dem Namen für uns zur Person. Mit dem Namen geht Gott mit Mose eine Beziehung ein. Gott wird zum Du. Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ist kein Gott in einer abstrakten, reinen Ideal-Form, quasi ein Produkt der menschlichen Wünsche oder Fantasien. Der Philosoph Ludwig Feuerbach sah die Gottesvorstellung als eine Projektion des Menschen an. Gott sei ein von Menschen gemachter Gott.



Ganz anders hier bei Mose: Gott offenbart sich dem Mose. Er wird zum Gegenüber. Dieser Gedanke ist sehr wichtig. Wir könnten einen Streifzug durch die Gottesvorstellungen machen. Wir würden dann sehen, wie einmalig diese Offenbarung Gottes ist. Man könnte auch sagen: Gott streckt seine Hand aus und wird mit seinem Namen uns zur Person, zum Gegenüber. Wir können und dürfen ihn anrufen. Wir können uns an ihn wenden. Wir können mit ihm reden und wir können ihn lieben.


Der Name Gottes „Ich bin der ich bin“ wurde in einer Kurzform zusammengefasst: JAHWE. Warum lesen wir in der Bibel nichts von diesem Namen Gottes? Gott wurde im Alten Testament immer mit seinem Namen „Jahwe“ angeredet. Dann sagte man sich: Wenn Gott heilig ist, dann ist es auch sein Name und also darf ich ihn nicht aussprechen. Wenn ein Rabbi die Schriftrolle las, sagte er statt Jahwe immer „Adonai“ = HERR. Der Name Gottes wurde aus Ehrfurcht vermieden. Martin Luther hat diese Tradition in seiner deutschen Übersetzung übernommen. Immer wenn im hebräischen Text Jahwe steht, hat Luther „der HERR“ übersetzt. Die Wahrheit ist, wir sind es nicht gewöhnt, „Jahwe“ zu sagen. Der Name Gottes ist uns dadurch fremd. Im AT steht Jahwe genau 6.828 mal!


Aus zwei Gründen finde ich es schade, dass wir den Namen Gottes nicht aussprechen. Zum einen: Gott hat seinen Namen offenbart. Nicht Mose hat Gott einen Namen gegeben, sondern umgekehrt: Gott ihm seinen Namen offenbart. Das ist ein entscheidender Unterschied. Wir verschweigen den Namen, obwohl Gott in 2. Mose 3,15 gesagt hat: „Das ist mein Name auf ewig, mit dem man mich anrufen soll von Geschlecht zu Geschlecht.“


Der zweite Grund ist, dass „Gott“ auch der Oberbegriff für eine Gattung sein kann. Gott als Gattungsbegriff ist unpersönlich. Das Gegenteil von dem, was Gott, der Herr, Mose offenbart hat. Jede Religion hat ihren Gott oder Götter. Das Bekenntnis „Ich glaube an Gott“ kann alles und nichts aussagen: Ich glaube an ein höheres Wesen. Ich glaube an eine allumfassende Energie im Kosmos. Viele glauben irgendwie an irgendeinen Gott.


„Ich glaube an Jahwe“ ist ein anderes Bekenntnis. Es ist viel eindeutiger. Jahwe ist der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Er hat das Volk Israel erwählt und mit ihm Geschichte gemacht. Er hat seinen Sohn Jesus Christus in die Welt gesandt, um uns zu erlösen. Im Islam glaubt man nicht an Jahwe. Gott hat nur einen Namen offenbart, auch wenn er viele Titel hat (Herr, Herr Zebaoth usw.).


Das sind die beiden Gründe, warum ich es schade finde. Mit dem Begriff „Gott“ als Gattungsbegriff geht die Persönlichkeit Gottes und die Eindeutigkeit, an wen ich glaube, verloren.


Pfarrer Helmut Becker, Mannheim






bottom of page